Dr. Harald Werner: Man kann nicht über die Flüchtlingskrise reden und über die globale Ungleichheit schweigen

28. Januar 2016 at 21:08

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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

es gibt zwei Tatsachen, die bei der Diskussion über die Flüchtlingskrise regelmäßig unter den Tisch fallen. Erstens, dass das deutsche Flüchtlingsproblem fast schon eine Randerscheinung ist, wenn man an die weltweit 60 Millionen Flüchtlinge denkt und zweitens wie wenig über den Zusammenhang von Flüchtlingselend und kapitalistischer Globalisierung geredet wird. Denn letztendlich verbergen sich hinter sämtlichen Fluchtbewegungen ökonomische Ursachen. Kein Bürgerkrieg in dem es nicht um die Verfügung über wirtschaftliche Ressourcen geht und keine Armutsflüchtlinge im unterentwickelten Süden ohne explodierenden Reichtum im kapitalistischen Norden. Wie groß die globale Ungleichheit inzwischen geworden ist, zeigt nichts besser als die aktuelle Oxfam-Studie, nach der auf unserem Globus nur 62 Superreiche soviel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.[1] Wobei Herbstempfang_Nds_Landtagsfraktion_16-09-2011 177_resizedman darüber streiten kann, welches der größere Verarmung ist: Entweder die schreiende Ungleichheit oder, dass es darüber keine öffentliche Empörung gibt – erst recht aber keinen Bezug zur weltweiten Flüchtlingskrise. Wahrscheinlich auch deshalb, weil das Wissen darüber verloren gegangen ist, dass die Explosion des Reichtums zwangsläufig in wachsende Verarmung mündet.  

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Auf dem Bild ist Harald Werner im Gespräch mit den Ratsmitgliedern der Nordenhamer Linksfraktion: Thomas Bartsch und Astrid Ammermann.

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Wer Armut wirksam bekämpfen will, muss soziale Ungleichheit beseitigen

21. Januar 2016 at 09:01

(Alters-) Armut und Gesundheit im reichen Deutschland

von Christoph Butterwege

Armut gibt es nicht nur in sogenannten Entwicklungsländern, sondern auch im reichen Deutschland. Professor Christoph Butterwegge  – Politikwissenschaftler und renommierter Armutsforscher, hat für die Pflegezeitschrift (Ausgabe: 2013, Jahrgang 66. Heft 12) einen Grundsatzartikel über die Armut in Deutschland verfasst und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf den Aspekt der Gesundheit gelegt.

Konzept gegen Armut - Kreiszeitung Wesermarsch vom 06. Juni 2013Armut, in den meisten Regionen vor allem der „Dritten“ und „Vierten Welt“ schon immer traurige Alltagsnormalität, hält seit geraumer Zeit auch Einzug in Wohlfahrtsstaaten wie der Bundesrepublik, wo sie zumindestens als Massenerscheinung langeweitgehend unbekannt war. Obgleich die Armut hier noch immer viel geringere Ausmaße hat und überwiegend weniger dramatisch Formen annimmt, eher subtil in Erscheinung tritt und oft selbst von damit tagtäglich konfronterten Fachkräften nicht immer erkannt wird, wirkt sie kaum weniger bedrückend als dort.

Absolute und relative Armut

In der Fachwissenschaft wird zwischen absoluter, extremer oder existenzieller Armut einerseits und relativer Armut andererseits unterschieden. Von „absoluter Armut“ spricht man, wenn Menschen die für ihr Überleben nötigen Dinge fehlen, also ausreichend Nahrung, Wasser, Kleidung, Obdach, Heizung und medizinischer Versorgung. Von „relatitiver Armut“ spricht man, wenn der Lebensstandard unter die Lebensbedingungen von Menschen zu weit unter dem durchschnittlichen Lebensstandard in einem Land liegen. Während die Betroffenen bei absoluter (mehr …)

Armut wächst, Erbschaften zementieren soziale Ungleichheit in Deutschland

27. September 2015 at 08:57

09. September 2015

DIE LINKE KV Cuxhaven 002_resized2,1 Billionen Euro werden in Deutschland bis 2024 vererbt, ein Drittel bleibt bei den oberen zwei Prozent der Bevölkerung. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hervor. Die Entwicklungsorganisation Oxfam veröffentlichte einen Bericht, laut dem der Anteil der von Armut bedrohten Menschen in Deutschland von 2005 bis 2013 von zwölf Prozent auf 16 Prozent gestiegen sei. Zudem fehlte 2013 50 Millionen Menschen in Europa das Geld, um zu heizen oder unvorhergesehene Ausgaben zu tätigen. Dazu erklärt Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE.:

Diese Studien stellen den Merkel-Regierungen erneut ein vernichtendes Zeugnis für ihre desaströse Arbeitsmarkt- und Sozial- und Steuerpolitik aus. Die Reichen werden immer reicher, gleichzeitig wächst die Armut und soziale Ungleichheit. Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Armut bedroht, während die oberen zwei Prozent der Bevölkerung in den nächsten neun Jahren 700 Milliarden Euro erben werden. Die Erbschaften zementieren die soziale Ungleichheit in Deutschland, doch die Bundesregierung schaut untätig zu und verhätschelt die Superreichen des Landes mit laschen Steuern kräftig weiter.

Die Einnahmen durch vermögensbezogene Steuern – auf Grunderwerb, Vermögen, Erbschaft und Schenkungen sowie Vermögensverkehrssteuern sind kaum irgendwo geringer als in Deutschland. DIE LINKE. fordert: Die Erbschaftsteuer muss zu einem Instrument der Vielen gegenüber (mehr …)

Deutschland ist bei der Ungleichheit fast Spitze

21. Mai 2015 at 21:47

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Copyright aus neues-deutschland.de / 22. Mai 2015 / Wirtschaft/Soziales / Seite 17

Deutschland ist bei der Ungleichheit fast Spitze

OECD warnt vor wirtschaftlichen Folgen der Einkommens- und Vermögenskonzentrationen

Von Simon Poelchau
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Teuren Schampus? Gibt es nur für...

Teuren Schampus? Gibt es nur für die oberen zehn Prozent zum Frühstück.
Foto: dpa/Britta Pedersen
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In Deutschland besitzen die reichsten zehn Prozent nahezu 60 Prozent des gesamten Nettohaushaltsvermögens. Damit kommt Deutschland zusammen mit den Niederlanden auf Platz drei im Ranking der Industrieländer mit der größten Kluft zwischen Arm und Reich. Nur in den USA und Österreich ist die Vermögenskonzentration noch größer. Dies geht aus dem dritten Sozialbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

images_Reichtum_04«Wir haben einen Wendepunkt erreicht. Noch nie in der Geschichte der OECD war die Ungleichheit in unseren Ländern so hoch wie heute”, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría, der den Bericht in Paris gemeinsam mit der EU-Kommissarin für Arbeit und Soziales, Marianne Thyssen, vorstellte. Die Folge: Zwischen 1990 und 2010 büßten die Industriestaaten rund 4,7 Prozent an Wirtschaftswachstum ein. Ungleiche Gesellschaften nützen nämlich ihre Potentiale weniger als gleichere. So fällt es etwa Menschen aus bildungsfernen Haushalten bei wachsender Ungleichheit zunehmend schwerer, eine gute Ausbildung zu bekommen.

Der Bericht ist alarmierend. Denn die OECD ist nicht gerade dafür bekannt, ein (mehr …)