Lange Leitung – Ablehnung der Südlink-Stromtrasse

23. Mai 2015 at 00:40

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Lange Leitung

Bayern hat gute Gründe für seine Ablehnung der Südlink-Stromtrasse – und doch sind die aktuellen Vorschläge abwegig, meint Bernward Janzing

Von Bernward Janzing
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Ach ja, mal wieder so eine Provokation aus Bayern. Plötzlich schlägt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner vor, die geplante Hochspannungstrasse von Schleswig-Holstein, die ursprünglich im fränkischen Grafenrheinfeld enden sollte, weiter nach Westen zu verlegen. Damit verliefe sie weniger durch Bayern, aber umso mehr durch Hessen und Baden-Württemberg. Der Aufschrei der betroffenen Länder war absehbar – und Aigner steht im eigenen Land mal wieder als Schützerin freistaatlicher Interessen da. Ebenso Ministerpräsident Horst Seehofer, der ihre Position stützt.

Und doch greift es zu kurz, den Widerstand der bayerischen Landesregierung gegen die Nord-Süd-Trasse – Südlink genannt – allein als populistisches Geplänkel abzutun. Denn aus regionalpolitischer Sicht gibt es gute Gründe, die Trasse abzulehnen. Schließlich würde die Leitung mehr Strom aus anderen Bundesländern in den Freistaat bringen, der damit eigene Wertschöpfung verlöre. Schon heute leiden die bayerischen Gaskraftwerke darunter, dass Stromüberschuss aus dem Norden sie aus dem Markt drängt. Nun sollten derartige Regionalinteressen zwar zurück stehen, wenn Deutschland eine gemeinsame Energiewende vollziehen will. Doch das gilt nur, wenn die Trasse für die Energiewende wirklich (mehr …)