Edeka – Umgang mit Beschäftigten

8. Juli 2014 at 12:42

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Copyright aus NDR – Hallo Niedersachsen – Stand: 06.07.2014 12:00 Uhr

Lohndumping und Ausbeutung bei Edeka?

von Marie-Caroline Chlebosch und Ann-Kristin Mennen
Aufschrift "Edeka akvtiv markt" auf Einkaufswagen © dpa-Bildfunk Fotograf: Bernd Thissen

Eine Edeka-Mitarbeiterin berichtet dem NDR von großem Druck im Betrieb. (Themenbild)

Ihre Hände zittern, während sie die Kaffeetasse zum Mund führt. Das Frühstück lässt sie stehen, wie jeden Morgen. Wieder eine Nacht ohne Schlaf, und wieder ein neuer Tag. Ein langer Arbeitstag an der Kasse bei Edeka in Winsen an der Aller (Landkreis Celle). Ihren Namen möchte die Mitarbeiterin nicht nennen, aus Angst, den Job zu verlieren. 7,15 Euro verdient sie pro Stunde, wenig Geld für viel Arbeit: „Wir müssen schnell arbeiten“, sagt sie. „Der Druck ist so groß, dass man Angst hat, sich die Nase zu putzen oder aufs Klo zu gehen.“

Edeka: Lohndumping kein Einzelfall

Hallo Niedersachsen – 07.07.2014 19:30 Uhr

Dumpinglöhne und extremer Arbeitsdruck: Mitarbeiter erheben Vorwürfe gegen Edeka-Märkte. Das Problem ist, dass die Märkte nicht zentral geführt werden.

 „Arbeitsdichte und Stress werden immer größer“

Vor drei Jahren hat die Edeka-Zentrale Minden-Hannover den Markt in Winsen an eine selbstständige Kauffrau übergeben. Verbindliche Vorgaben zu den Lohn- und Arbeitsbedingungen macht Edeka der neuen Inhaberin nicht. Mit dramatischen Folgen, beklagt Betriebsrätin Daniela Klein: „Die Arbeitsdichte und der Stress werden immer größer, viele Mitarbeiter sind krank geworden oder haben teilweise gekündigt, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben.“

„Regionale Genossenschaft hat kein Weisungsrecht“

Während einige Mitarbeiter im Markt noch den vor der Privatisierung üblichen Tariflohn von bis zu 14,55 Euro bekommen, verdienen andere zum Teil nur zwischen 7,15 Euro und 8 Euro – also weniger als den beschlossenen Mindestlohn. Eine von ihnen ist Magret Haakmeester. „Unfair, absolut ungerecht“, nennt die geringfügig Beschäftigte die Situation im Markt. Wertgeschätzt fühle sie sich nicht. „Ich fühle mich da eher als minderwertiger Mensch“, sagt Magret Haakmeester. Die Eigentümerin des Edeka-Marktes will sich trotz mehrfacher NDR Anfragen nicht zu den Vorwürfen äußern.

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Edeka-Buchstaben
06:02 min

Miserable Arbeitsbedingungen in Edeka-Märkten

06.07.2014 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

In einigen Edeka-Märkten gehören Dumpinglöhne, ein extremer Druck am Arbeitsplatz und fehlende Zeit für Pausen offenbar zur Tagesordnung. Das haben NDR Reporter herausgefunden. Video (06:02 min)

Und auch die zuständige Regionalgenossenschaft Minden-Hannover weist auf Anfrage die Verantwortung für die Lohnsituation in Winsen von sich. Grundsätzlich empfehle man den selbstständigen Kaufleuten zwar, sich an Tariflöhnen zu orientieren, heißt es. Aber: „Im Gegensatz zu einem Konzern hat die regionale Genossenschaft kein Weisungsrecht.“

Edeka treibt Privatisierung voran

Denn organisiert ist Edeka nach dem Genossenschaftsprinzip. Das heißt: Die Eigentümer besitzen auch Anteile an der Zentrale. Seit 2003 treibt Edeka die Privatisierung von Märkten offensiv voran. In der Regionalgenossenschaft Minden-Hannover sind bereits zwei Drittel der 815 Edeka-Märkte in privater Hand. Während die Zentrale die selbstständigen Kaufleute weiterhin mit Waren beliefert, lehnt sie eine Verantwortung für die Personalführung in den selbstständigen Märkten ab.

Gewerkschaft sieht Problem in ganz Niedersachsen

So gehe mit der Privatisierung der Edeka-Märkte oft eine deutliche Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen einher, sagt ver.di-Gewerkschaftssekretär Robert Kirschner aus Lüneburg: „Seit der Privatisierungsoffensive, die die Edeka im Jahre 2003 begonnen hat, kann ich ganz konkret von Lohndumping sprechen. Nach Rücksprache mit Kollegen aus ganz Niedersachsen kann ich sagen, dass die Erfahrungen sich ähneln. Da gibt es kaum Unterschiede in den einzelnen Regionen. Wir haben auch niedersachsenweit Gehaltsabrechnungen vorliegen.“

Von einer gezielten Tarifflucht im Zuge der Privatisierung durch die Edeka-Zentrale spricht Wirtschaftsexperte Rudolf Hickel von der Universität Bremen. Ein Geschäftsmodell, das im Widerspruch stehe zu der ursprünglichen Genossenschaftsidee: „Würde Edeka die Genossenschaftsidee nur einen Hauch ernst nehmen, müsste die Zentrale sich darum kümmern, dass in dem von ihr gewollten Privatisierungsprozess am Ende nicht miserable, ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse entstehen.“

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Kunden vor einem Edeka-Laden © dpa - Bildfunk Fotograf: Tobias Kleinschmidt

Gar nicht „supergeil“: Protest bei Edeka

In einem Edeka-Markt in Winsen soll die Geschäftsführung versucht haben, Mitarbeiter zu überwachen. Die Angestellten haben in der Zentrale in Minden einen Protestbrief übergeben. (26.05.2014) mehr

Beschäftigte haben sich mehrfach an die Zentrale gewandt

Von der Edeka-Regionalgenossenschaft Minden-Hannover heißt es auf NDR Anfrage, man habe „keine Kenntnis über die Details der Entlohnung in den einzelnen Märkten.“ Ein Argument, das mindestens für den Markt in Winsen nicht zutrifft. Mehrfach haben sich die Beschäftigten dort an die Zentrale gewandt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Gespräche seien geführt worden, geändert habe sich nichts, sagt Daniela Klein. Die Betriebsrätin aus Winsen ist wütend: „Es steht Edeka bei uns dran, wir verkaufen Edeka-Ware, wir sind die gleichen Mitarbeiter wie vor der Privatisierung.“ Die Forderung des Betriebsrats an die Zentrale ist klar: „Edeka muss Verantwortung übernehmen, und zwar für all ihre Mitarbeiter.“

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht, dann wenden Sie sich an halloniedersachsen@ndr.de.

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Der Edeka-Supermarkts in Uelzen. © ndr Fotograf: Ina Kast

Dumpinglöhne? Edeka wehrt sich gegen Kritik

Der Lebensmittelkonzern Edeka hat am Mittwoch auf die Kritik der Gewerkschaft ver.di reagiert. Von angeblich schlechten Arbeitsbedingungen will man bei Edeka nichts wissen. (04.06.2014) mehr

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Hallo Niedersachsen | 06.07.2014 | 19:30 Uhr