Datschen ohne Schutz – Ab 4. Oktober kann ostdeutschen Bungalowbesitzern einfacher gekündigt werde

1. Oktober 2015 at 06:04
Copyright aus neues-deutschland.de / 01. Oktober 2015 / Inland / Seite 1
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Datschen ohne Schutz

Ab 4. Oktober kann ostdeutschen Bungalowbesitzern einfacher gekündigt werde

35afDatschen in Gefahr

Zum 25. Tag der deutschen Einheit läuft der Kündigungsschutz für ostdeutsche Verträge aus

Die DDR war auch ein Land der Superlative. So hatte der kleine Staat zwischen Oder und Elbe die höchste Dichte an Gartengrundstücken weltweit. Neben den zahlreichen Kleingärten gab es auch rund eine Million Datschen. Wobei es unterschiedliche Zählweisen gibt. Die »Rheinische Post« kam gar auf 3,4 Millionen solcher Bungalows. Doch vormalige Spitzenreiter wurden nach der Wende zu Außenseitern. Im Bundestag fiel Anfang des Jahres ein Gesetz durch, das den speziellen Kündigungsschutz für Datschen um weitere drei Jahre verlängert hätte. Weil die Belange von Hunderttausenden Ostdeutschen aber nicht so richtig interessierten, läuft der Schutz zum 3. Oktober aus. Zwar erwarten Experten keine große Kündigungswelle, aber Datschengrundstücke in attraktiven Lagen, etwa an der Ostsee, kann man gewinnbringender vermarkten als auf Pachtbasis. So könnte einigen Datschenbesitzern die Fortschreibung der DDR-Eigentumsverhältnisse zum Verhängnis werden. Wie im Arbeiter- und Bauern-Staat gilt auch heute noch: Die Datsche gehört den Bewohnern, das Grundstück hingegen der Kommune oder Privatbesitzern.

Mit den Fertigteilbungalows steht auch ein Stück ostdeutscher Identität vor dem Abriss. Denn das Wort Datsche gehört laut Wikipedia »zu den wenigen russischen Wörtern, die aus dem DDR-Alltag übernommen wurden und in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen sind«. Ursprünglich bedeutete Datscha »fürstliches Landgeschenk«. Nach der Revolution von 1917 hatten adlige Besitztitel aber keine Bedeutung mehr. Hungrige Stadtbewohner nahmen brachliegende Parzellen in Besitz und es entstanden Datschensiedlungen in der ganzen Sowjetunion. Die DDR-Bungalows sind somit ein Erbe der Oktoberrevolution. Kein Wunder, dass sich Union und SPD im Bundestag dem Gesetz zu deren Erhalt verweigerten. fal Seiten 2 und 12

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/986396.datschen-ohne-schutz.html

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