Gesundheitsgefahren eiskalt und rücksichtslos in Kauf genommen!

19. November 2012 at 11:37
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Atomtransport

Mox-Laster rollen an Blockierern vorbei

Finte der Polizei hat Erfolg – Greenpeace entrollt Transparent direkt vor Atlantic Osprey

von Henning Bielefeld

 

Henning Bielefeld

Stellv. Redaktionsleitung Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel.: 04731 9988 2202
Fax: 04731 9988 2209

 

.Drei Greenpeace-Kletterer besteigen das Midgard-Portal und entrollen ein Transparent.

Einswarden Es sah aus wie eine der üblichen Eskalationen bei Sitzblockaden. Doch während sich die Atomkraft-Gegner am nördlichen Steg des Ro/Ro-Anlegers noch darauf vorbereiten, von Polizeibeamten weggetragen zu werden, setzten sich auf dem südlichen Steg die beiden Mox-Laster in Bewegung. Die Polizei hatte die Demonstranten schlicht und einfach ausgetrickst.

Wenige Rempeleien

Einige Blockierer liefen zum südlichen Steg, konnten die bulligen Laster aber nicht mehr daran hindern, durch das Deichschaart von Premium Aerotec zu fahren und ihnen über das Werksgelände und durch Einswarden einfach davonzufahren. Zwischen den Polizeibeamten, die den Rand der außendeichs verlaufenden Straße sicherten, und einigen Demonstranten entwickelten sich vereinzelte Rempeleien, aber eine Eskalation blieb aus.

Genau das habe die Polizei auch erreichen wollen, sagt Britta Breuers, Sprecherin der Polizeidirektion Oldenburg. Der Gesamteinsatzleiter, Polizeivizepräsident Dieter Buskohl, hatte die Idee gehabt und Premium Aerotec um die Erlaubnis zur Durchfahrt gebeten. So habe die Polizei zwei Ziele auf einmal erreichen können: Die Versammlungsfreiheit der Atomgegner respektieren und den Mox-Transport sicher auf den Weg bringen.

Gegen 14.30 Uhr hatte die Atlantic Osprey den Ro/Ro-Anleger erreicht. Begleitet wurde die Transportfähre von mehreren Behördenschiffen – und von dem Greenpeace-Schiff Beluga 2, das sich in Höhe Helgoland dem schwimmenden Konvoi angeschlossen hatte.

In der Wesermündung kreuzten drei Schlauchboote von Greenpeace auf, aus denen sich drei Schwimmer mit Neopren-Anzügen ins Wasser gleiten ließen. Auf Spruchtafeln forderten sie den Stopp von Plutonium-Transporten und verlangsamten nach eigenen Angaben die Fahrt der Atlantic Osprey.

Während das Schiff am Anleger manövrierte, begannen die Atomgegner ihre für die Dauer der Anlandung genehmigte Kundgebung. Während die Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter davor warnte, dass es weiterhin „massenhaft Atomtransporte in Niedersachsen“ geben werde, wenn der Widerstand dagegen nachlasse, enterten drei Greenpeace-Kletterer direkt vor der Atlantic Osprey das große dunkelblaue Portal mit der Rhenus-Midgard-Aufschrift und entrollten ein etwa zwei mal zehn Meter großes Transparent, das ebenfalls den Stopp von Plutonium-Transporten forderte.

Drei speziell ausgebildete Polizeikletterer holten sie sicher herunter, nahmen sie in Gewahrsam und stellten ihre Personalien fest. Anschließend fertigten sie Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Urkundenfälschung aus, denn die Kletterer seien mit falschen Dokumenten auf das Midgard-Gelände gelangt.

Minuten später rückte das Höheninterventionsteam, wie die Polizeikletterer offiziell heißen, erneut aus. Sie holten einen jungen Umweltschützer von der Organisation Robin Wood von einer Dreibeinkonstruktion aus sechs Meter langen Gerüststangen, der damit die Neptunstraße hinter dem Nordsteg blockieren wollte. Sie stellten seine Personalien fest, erteilten ihm einen Platzverweis und ließen ihn anschließend weiter demonstrieren.

Kurs auf Grohnde

Die beiden Laster nahmen anschließend ohne weitere Behinderungen Kurs auf ihr Ziel, das Kernkraftwerk Grohnde. Sie hatten acht je 500 Kilogramm schwere Mischoxid(Mox)-Elemente an Bord, die nach Auskunft von Greenpeace insgesamt 130 Kilogramm Plutonium enthalten. Gegen Mitternacht sollten die Laster Grohnde erreichen.

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Copyright: Nordwestzeitung, 19.11.2012